Bürger retten mit Pfandbons Leben

Presse Erstellt von Christian Kandzorra

Zwei Korschenbroicherinnen haben eine besondere Spenden-Aktion in die Stadt gebracht: Sie sammeln Pfandbons in Edeka-Märkten. 2512 Euro sind schon zusammengekommen. Davon werden Menschen in Afrika mit Wasser versorgt.

Vor den Pfandflaschenautomaten in den Edeka-Märkten in Korschenbroich und Kleinenbroich haben Marlene Esser (l.) und Marlies Kohlbecher in Absprache mit Edeka-Chef Gerhard Handick Briefkästen für Pfandbon-Spenden aufgestellt. FOTO: cka

Jeden Tag bringen Korschenbroicher zusammengerechnet etliche Hundert Getränkeflaschen zurück in die Supermärkte, um das Flaschenpfand zurückzubekommen. In vielen Regionen der Welt können Menschen jedoch nur davon träumen: Experten zufolge haben im Jahr 2016 weltweit rund 750 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Marlene Esser und Marlies Kohlbecher aus Korschenbroich wollen dem Problem entgegenwirken und haben in den Edeka-Märkten von Gerhard Handick in Korschenbroich und in Kleinenbroich Briefkästen an den Pfandflaschenautomaten aufgestellt, in die Bürger ihre Pfandbons als Spende einwerfen können.

Nach einem halben Jahr ziehen sie ein überraschend gutes Fazit: Durch die vielen Kleinbeträge sind mehr als 2500 Euro zusammengekommen - Geld, das direkt an das Hilfswerk "Action Medeor" fließt. Das Hilfswerk lässt gemeinsam mit Partnerorganisationen in verschiedenen Ländern Brunnen bohren, Wassertanks errichten und Leitungen legen, um die Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser zu versorgen und so etwa lebensbedrohlichen Durchfallerkrankungen vorzubeugen. Hinter dem Hilfswerk stehen viele Ehrenamtler am gesamten Niederrhein: Wie der Pfandbon-Aktionsleiter Norbert Vloet von "Action Medeor" mitteilt, stehen mittlerweile in zwölf Supermärkten in der Region Briefkästen, in die Menschen ihre Pfandbons einwerfen können. "Aufs Jahr umgerechnet kommen aus den beiden Korschenbroicher Edeka-Märkten die meisten Spenden", sagt Norbert Vloet, der von einer "enormen Spendenbereitschaft" spricht und vor allem Gerhard Handick dankt, der in seinen Werbeprospekten schon explizit für die Pfandbon-Spenden geworben hat: "Das hilft uns sehr."

Ganz konkret waren es aber Marlene Esser und Marlies Kohlbecher, die für Korschenbroich die Initiative ergriffen haben. "Die Projekte von ,Action Medeor' haben uns beeindruckt. Wir haben bei einer Besichtigung des Hilfswerks in Tönisvorst erfahren, dass man zum Beispiel mit 25 Cent 20 Liter sauberes Trinkwasser ausgeben kann", erzählt Marlene Esser. Das habe die beiden angespornt, die Pfandbon-Aktion auch in Korschenbroich einzuführen. Mitte Mai haben sie die Briefkästen nach einer Woche zum ersten Mal geleert. Das Ergebnis: 119,27 Euro. "Anfangs war ich sehr skeptisch. Jetzt bin ich erstaunt, wie spendenbereit die Korschenbroicher sind", sagt Supermarkt-Chef Gerhard Handick.

Ähnliches berichten die beiden Frauen. "Einmal war ein Pfandbon im Wert von 22,06 Euro im Briefkasten", erzählt Marlene Esser, die sorgfältig Buch führt. Wie Marlies Kohlbecher lässt sie sich inzwischen bis zu zweimal pro Woche die kleinen Beträge an der Kasse auszahlen und überweist das Geld sofort samt Kassenbeleg an das Hilfswerk. Auf diese Weise sind am Niederrhein schon 40.000 Euro zusammengekommen.

Quelle: NGZ